Das Leica Summicron-M 35 mm f/2 mit der Katalognummer 11310, gebaut von 1979 bis 1997, trägt unter Kennern den Beinamen „King of Bokeh“, weil es ein ganz besonderes und ungewöhnlich charaktervolles Bokeh erzeugt – vor allem für ein 35-mm-Weitwinkelobjektiv. Hier sind die Gründe, warum dieses Objektiv diesen Spitznamen verdient hat:
Inhaltsverzeichnis:

Die wichtigsten Merkmale des „King of Bokeh“
1. Außergewöhnliches Bokeh für ein Weitwinkel
Das Summicron 11310 hat ein besonders cremiges, weiches und fließendes Bokeh, das sonst eher von lichtstarken Porträtobjektiven wie 50 mm f/1.4 oder f/1.2 bekannt ist. Für ein 35-mm-Objektiv ist das eine Seltenheit.
2. Charaktervolle Bildwirkung
Das Objektiv verleiht Bildern eine subjektive Tiefe und einen malerischen Look, der durch sanft auslaufende Unschärfe und einen leicht „glühenden“ Übergang von Schärfe zu Unschärfe entsteht. Dieser Look wird oft als 3D-Pop beschrieben.
3. Pre-ASPH-Optikdesign
Das Summicron 11310 ist die letzte Version vor der Einführung der asphärischen Linsen im 35mm-Segment. Dadurch hat es einen organischen Bildcharakter, der zwar nicht auf absolute technische Perfektion ausgelegt ist, aber ästhetisch enorm reizvoll ist – mit weicherem Randabfall und einer ganz eigenen Handschrift.
4. Perfekte Mischung aus Schärfe und Zeichnung
Obwohl es keine ASPH-Linsen verwendet, ist das 11310 bei Blende f/2 schon sehr scharf in der Bildmitte – aber eben nicht „klinisch“, sondern mit einer gewissen analogen Wärme, die viele Leica-Fotografen lieben. Diese Balance macht das Objektiv sowohl für Reportage als auch für kreative Fotografie ideal.

Warum heißt es „King of Bokeh“?
1. Einzigartiges, malerisch-weiches Bokeh
Bei offener Blende (f/2) entsteht ein cremiges, fast öliges Hintergrund-Bokeh – sanfte Übergänge, keine harten Ränder. Das erzeugt eine drei Dimensionen starke Bokeh-Wirkung, die bei Weitwinkeln äußerst selten ist.
2. Klassisches „Leica‑Glow“
Die letzten Pre‑ASPH-Modelle, darunter die Type 4, verfügen über eine optische Konstruktion, die einen dezenten Glow‑Effekt in der Bildmitte erzeugt – eine subtile Vignettierung, die die Motive kunstvoll in Szene setzt.
3. Balance zwischen Schärfe und Bildcharakter
Obwohl technisch nicht ganz so präzise wie das spätere ASPH‑Modell, liefert es bei f/2 dennoch scharfe Ergebnisse – allerdings mit einer angenehmen „Unschärfe“, die den Bildern eine analoge Wärme verleiht.
Typische Anwendungen, in denen das Bokeh glänzt
- Porträts im urbanen Raum (bei etwas Distanz)
- Streetfotografie bei Offenblende
- Stillleben & Available Light
- Künstlerische Reportage
Für wen ist es die beste Wahl?
| Stil/Anforderung | Empfehlung |
|---|---|
| Cinematisches Bokeh & kreative Freiheit | Pre‑ASPH 11310 „King of Bokeh“ |
| Technisch präzise Dokumentation | Summicron 35 ASPH |
| Retro-Street, Porträt, Available Light | Pre‑ASPH ideal |
Warum der Name „King of Bokeh“?
Der Spitzname stammt aus der internationalen Leica-Community, insbesondere von Sammlern, Analogfotografen und frühen Digital-M-Fotografen, die das Summicron 11310 auf M8, M9 oder M10 verwendet haben. Die Kombination aus seiner romantischen Unschärfe, der analogen Bildästhetik und dem weichzeichnenden Hintergrund macht es zu einem Bokeh-Favoriten – selbst im Vergleich zu späteren, technisch überlegenen ASPH-Versionen.

Pre-Owned Tipp
Wenn du eines dieser begehrten Exemplare suchst:
Roter Punkt Kamera – Leica M Pre-Owned
Dort taucht die 11310-Version gelegentlich auf – oft mit einer Patina, die genauso viel Charakter hat wie das Bokeh selbst.
Vergleich: Summicron 35mm f/2 Pre-ASPH (11310) vs. Summicron 35mm f/2 ASPH
| Merkmal | Summicron 35mm f/2 Pre-ASPH (11310) | Summicron 35mm f/2 ASPH |
|---|---|---|
| Baujahre | 1979–1996 | ab 1996 bis heute |
| Optisches Design | 7 Linsen in 5 Gruppen, ohne ASPH | 7 Linsen in 5 Gruppen, mit 1 asphärischer Linse |
| Bokeh | Weich, malerisch, „glow“-Effekt, „King of Bokeh“ | Technisch klarer, neutraler, sauberer Hintergrund |
| Schärfe | Sehr gut in der Mitte, weicher an den Rändern bei f/2 | Knackig scharf von Rand zu Rand, selbst bei Offenblende |
| Rendering | Klassisch, warm, „leica glow“, starke Charakterdarstellung | Modern, kontrastreich, sehr präzise, eher neutral |
| Größe & Gewicht | ca. 130g | ca. 255g |
| Filterdurchmesser | E39 | E39 |
| Fokusgefühl | Butterweich, klassisches Messing-Feeling | Straffer, moderner Helicoid |
| Bauweise | Komplett aus Metall, Made in Germany | Ebenfalls aus Metall, aber moderner gefertigt |
| Preis (Pre-Owned) | 2.000–2.800 € (abhängig vom Zustand) | 2.300–2.900 € (gebraucht), 3.000 €+ (neu) |
Charakter vs. Kontrolle: Was passt zu wem?
Beispielhafte Bildeindrücke
Pre-ASPH (11310):
- Sanfte Verläufe im Hintergrund
- Wärme und Subjektivität
- Geringfügige Vignette, die die Bildmitte betont
ASPH:
- Präzise Kanten und Mikrokontraste
- Ideal für Architektur und dokumentarische Arbeiten
- „Klinischere“ Anmutung – im besten Sinne
Fazit & Empfehlung
Wenn du das Ziel hast, Bilder mit Seele und Charakter zu erzeugen – vielleicht sogar ein wenig „unperfekt“ im besten Sinne – dann ist das Summicron 11310 ein echtes Juwel. Für Fotografen mit moderner Leica M oder Fokus auf maximale Präzision und technische Perfektion, z. B. in der Reproduktions-, Architektur- oder Reisefotografie, ist das ASPH-Modell die bessere Wahl.
Pre-Owned Empfehlungen findest du regelmäßig bei Roter Punkt Kamera, oft auch mit Garantie, geprüfter Mechanik und Originalverpackung.
Der Leica Summicron 11310 lebt von seinem ausdrucksstarken, malerischen Bokeh – ungewöhnlich für ein Weitwinkel. Er wirkt wie eine künstlerische Hommage an analoge Leica-Fotografie – und genau deshalb wird er von vielen Fotografen als der wahre „King of Bokeh“ gefeiert.