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Leica R3 Test 2022: von 1976 bis 1979

Leica-R3

Im Jahr 1976 erfolgte mit der Leica R3 ein vollständiger Schnitt gegenüber der Leicaflex-Entwicklung. Das erkennt man schon an der Namensänderung. Die R3 ist die erste elektronische Leitz Spiegelreflexkamera.

Erste Leica R3 Seriennummer: 1.446.001, letzte Nummer: 1.525.350

Nur die ersten 2000 Kameras wurden in Wetzlar hergestellt, der Rest im damals neuen Werk in Portugal.

Leica R3 – Abschied vom Leicaflex System

Leica R3 - die Filmrückspulkurbel
Leica R3 – die Filmrückspulkurbel

Vorgänger war das Leicaflex-System, das allerdings Anfang der 1970er den Anschluss an die technische Entwicklung, die vor allem durch japanische Spiegelreflexkameras vorangetrieben worden war, verloren hatte. Um den wachsenden Markt der Spiegelreflexkameras nicht aufgeben zu müssen, ging Leitz Anfang der 1970er Jahre eine Kooperation mit Minolta ein, durch die Leitz Zugriff auf moderne Technik wie etwa Zeitautomatik erlangte. Dies führte 1976 zur Vorstellung der Leica R3. Seit den späten 1990er Jahren entwickelt die heutige Leica Camera AG wieder selbständig Spiegelreflexkameras. Anfang März 2009 wurde die Produktion von Kameras und Objektiven des Leica-R-Systems eingestellt. Seit November 2015 wird mit der Leica SL (Typ 601) eine spiegellose Systemkamera mit digitalem Bildsensor im Kleinbildformat angeboten, welche mithilfe eines Adapters auch zu den Objektiven der Modellreihe Leica R kompatibel ist.

Produktionszahlen der Leica R3

JahrR3 PortugalRD MOT Wetzlaralle Portugal
1976100016000
197719004000
19783925009750
19791600015750
Gesamt43750200025500

Die Leica R3

Für das neue Modell hatte man den Namen LEICAFLEX zugunsten von LEICA aufgegeben, da man der Meinung war, daß die traditionelle Bezeichnung ein besseres Image bei den Kunden besitze. Die neue Kamera wurde LEICA R3 genannt, weil sie die dritte Entwicklungsstufe der Spiegelreflexkameras von Leitz (nach der LEICAFLEX und den LEICAFLEX SL-Versionen) repräsentierte. Der neue Name fügte sich auch gut in die Systematik der Modellbezeichnungen bei den M-Modellen ein, wobei das „M“ bei diesen für „Messsucher“ stand.

Zum Verständnis des Hintergrundes der Entwicklung bei Leitz zur Zeit des Erscheinens der LEICA R4 ist es wichtig zu wissen, dass in den Jahren seit der Übernahme der Führung durch die schweizerische Wild-Gruppe deren Interesse am Unternehmensbereich Fotografie beträchtlich gestiegen war.

Die Produktion der R3 wurde 1976 in Wetzlar aufgenommen, aber bereits nach kurzer Zeit in das neue Werk in Portugal verlagert. Bis zur Produktionseinstellung im Jahre 1979 wurden etwa 60.000 Exemplare gefertigt, von denen nur die ersten 2.000 aus Wetzlar kamen (und auch die entsprechenden Gravuren trugen). Alle übrigen Kameras wurden in Vila Nova de Famalicäo hergestellt.

Leitz Ingenieure wollen auf Elektronik setzen

Die Ingenieure bei Leitz vollzogen den Übergang zur Elektronik, ohne ihr gewohntes Sicherheitsdenken aufzugeben: Die neue Kamera war zwar vollelektronisch gesteuert, aber sie war auch dann noch funktionsfähig, wenn die Stromversorgung ausfiel.

Das Gehäuse der Kamera war in einem solchen Maße neugestaltet worden, dass man sofort auch eine grundsätzliche Veränderung des Verschlusses vermutete. Tatsächlich hatte man die bisherige Konstruktion mit den beiden gummierten Verschlussrollos ganz verlassen und war auf einen von Leitz konstruierten, aber von Copal gefertigten elektronischen Verschluss mit vertikalem Ablauf und Lamellen aus Metall übergegangen. Die Freigabe der beiden Lamellenvorhänge erfolgte durch winzige Etektromagnete, wobei die Verzögerung zwischen beiden durch einen elektronischen Schaltkreis errechnet wurde, der Informationen über die eingestellte Filmempfindlichkeit und die gewählte Blende erhielt. Die LEICA R3 arbeitete also bei der automatischen Belichtung als Zeitautomat; dennoch war auch die manuelle Einstellung einer gewünschten Zeit-Blendenkambination möglich. Das neue Steuerungssystem bedingte eine zusätzliche („dritte“) Nocke an dem jeweils angesetzten Objektiv für die Übertragung der eingestellten Blendenstufe auf die Elektronik des Gehäuses.

Zur bereits erwähnten Vorsorge für einen Stromausfall gab es zwei mechanisch gesteuerte Verschlusszeiten, nämlich „B“ und „X“. Mit der Einstellung „B“ war, wie gewohnt, die manuelle Langzeitbelichtung möglich, und bei „X“ wurde eine Belichtungszeit von 1/100 s mechanisch gesteuert, die sowohl bei Verwendung von Elektronenblitzgeräten als auch für Notfälle bei Stromaus.- fall zur Verfügung stand. Der Selbstauslöser arbeitete ebenfalls mechanisch. Die Filmempfindlichkeit wurde an einem Ring unter der Rückspulkurbel eingestellt; dort war auch ein Hebel zur Korrektur der Belichtungszeit mit den Faktoren +2 oder —2. Die Belichtungsmessung erfolgte durch das Objektiv als Selektivmessung (mit dem Mikroprismenring als Messfeld) oder als Integralmessung des gesamten Bildfeldes.

Bei Selektivmessung wurde ein Fotowiderstand im Boden der Kamera aktiviert, während bei Integralmessung zwei weitere Widerstände im Pentaprisma zugeschaltet wurden. Ein Mittenkontakt im Zubehörschuh sowie zwei Koaxialkontakte seitlich des Objektivanschlusses waren für die Blitzsynchronisation vorgesehen.

Die LEICA R3 besaß einige ungewöhnliche Ausstattungen: So z. B. einen Hebel, mit dem man den Suchereinblick verschließen konnte, um einen Lichteintritt bei Aufnahmen mit Selbstauslöser zu verhindern, oder einen weiteren Hebel zum An- und Abschalten der Elektronik.

Eine einfache, aber nützliche Hilfe war e|g kleines Fenster in der Rückwand, durch das man sehen konnte, welcher Film eingelegt war. Damit entfiel die bisherige Filmmerkscheibe. Durch ein weiteres kleines Fenster an der Rückseite des Gehäuses konnte man kontrollieren, ob der Film beim Verschlussaufzug einwandfrei transportiert wurde. Das Bildzählwerk wurde dadurch ergänzt.

Es wurden unterschiedliche Varianten der Leica R3 produziert

Durch einen kleinen Hebel, dessen Achse konzentrisch unter dem Schnellschalthebel lag, konnte man Filmtransport und Verschlussaufzug entkoppeln, um Mehrfachbelichtungen zu ermöglichen.

Von der LEICA R3 aus der Produktion in Portugal gab es mehrere Varianten: zunächst die hell verchromte Ausführung (Code 10031) und die schwarz verchromte Ausführung (Code 10032); sowie eine Ausführung R3 MOT (CMS 10033) für die Verwendung eines Motors. Die R3 MOT konnte mit einem elektrischen Antrieb (einem Winder) für zwei Bilder/s betrieben werden. Eine recht interessante elektronische Steuerung des Motors erlaubte die vollautomatische Fernsteuerung der Kamera in Sequenzen mit Zeitabständen von weniger als einer Sekunde bis zu zehn Minuten von Bild zu Bild.

In den Jahren 1977/78 wurden 5.000 Exemplare einer sogenannten Safari-Version in militärisch-grüner Farbe mit passenden Objektiven (Code 10034) gebaut. Schließlich wurden anläßlich des hundertjährigen Geburtstages von Oskar Barnack im Jahre 1979 1.000 vergoldete Exemplare mit Bezug aus Eidechsleder (Code 10050) hergestellt.

Quellen, Literatur und Verweise

  • Wikipedia
  • Leica Sammler Buch
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