Andreas Voll, Leica Vorstandsvorsitzender

Andreas Voll wird neuer Vorstandschef bei Leica Foto: Leica Camera Ag/dpa

Der deutsche Kamerahersteller Leica Camera AG steht vor einem bedeutenden Führungswechsel. Ab 1. April 2026 übernimmt Andreas Voll den Posten des Vorstandsvorsitzenden und löst damit Matthias Harsch ab, der das Unternehmen seit 2017 geleitet hat.

Mit diesem Schritt beginnt für die traditionsreiche Marke aus Wetzlar eine neue Phase – nach Jahren starken Wachstums und erfolgreicher Markenentwicklung.

Ein Generationswechsel an der Spitze

Der 44-jährige Manager Andreas Voll bringt umfangreiche internationale Erfahrung im Bereich Premium-Technologie, Luxusmarken und strategische Unternehmensführung mit.

Zuvor war Voll unter anderem in der Luxusgüterbranche tätig und zuletzt Vorstandsvorsitzender der Unternehmensgruppe Fischer. Seine Karriere begann er in der Unternehmensberatung bei Roland Berger, bevor er Führungspositionen in verschiedenen internationalen Unternehmen übernahm.

Leica-Mehrheitseigentümer und Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Andreas Kaufmann bezeichnete Voll als Persönlichkeit mit unternehmerischer Weitsicht, technologischem Verständnis und Erfahrung im Aufbau internationaler Premiummarken.

Der Führungswechsel wird von Leica bewusst als Verjüngung der Unternehmensspitze interpretiert. Der neue CEO soll insbesondere die digitale Transformation, Innovation und internationale Expansion des Unternehmens weiter vorantreiben.

Die Ära Matthias Harsch

Der scheidende CEO Matthias Harsch hat Leica seit September 2017 geführt. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Unternehmen wirtschaftlich äußerst erfolgreich und konnte mehrere Umsatzrekorde erzielen.

Im Geschäftsjahr 2024/25 erreichte Leica einen Umsatz von rund 596 Millionen Euro, was einem Wachstum von 7,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Während seiner Amtszeit wurde Leica nicht nur als Kamerahersteller weiterentwickelt, sondern auch als Lifestyle- und Technologiemarke positioniert. Dazu zählen unter anderem:

  • Ausbau des weltweiten Leica-Store-Netzwerks
  • neue digitale Kamerasysteme wie die aktuelle M-Generation
  • Kooperationen im Smartphone-Segment
  • Erweiterung in Bereiche wie Uhren, Brillen und Heimkino-Projektoren

Zuletzt stellte Harsch im Rahmen der Mobilfunkmesse MWC in Barcelona auch eine neue Version des Leitzphone-Smartphones vor, das Leica gemeinsam mit Technologiepartnern entwickelt.

Nach über acht Jahren an der Unternehmensspitze endet damit eine der längeren CEO-Amtszeiten in der Geschichte der Leica Camera AG.

Leica zwischen Tradition und Zukunft

Der Führungswechsel erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Leica wirtschaftlich solide aufgestellt ist. Das Unternehmen mit Sitz in Wetzlar beschäftigt weltweit rund 2.300 Mitarbeiter und profitiert derzeit von einem erneuten Trend zu hochwertigen Kameras.

Trotz der allgegenwärtigen Smartphone-Fotografie wächst insbesondere im Premiumsegment wieder die Nachfrage nach hochwertigen Kameras und Objektiven. Leica hat sich in diesem Markt als Luxus- und Kultmarke etabliert.

Dabei gelingt dem Unternehmen eine besondere Balance:

  • Tradition und Handwerkskunst aus mehr als einem Jahrhundert Kamerabau
  • moderne Technologien und digitale Innovation
  • eine weltweit engagierte Community aus Fotograf:innen und Sammler:innen

Die Ursprünge der Marke reichen bis in das Jahr 1869 zurück, als Ernst Leitz das optische Institut in Wetzlar übernahm. Mit der legendären Leica-Kleinbildkamera wurde später ein Standard gesetzt, der die Fotografie bis heute prägt.

Internationale Expansion bleibt zentrales Ziel

Mit dem neuen CEO will Leica vor allem seine internationale Präsenz weiter stärken. Weltweit betreibt das Unternehmen bereits zahlreiche eigene Stores und Galerien – unter anderem in Metropolen wie Tokio, New York oder Dubai.

Auch neue Standorte und Märkte stehen im Fokus. Die Marke positioniert sich dabei zunehmend als Premium-Technologieunternehmen mit starkem Lifestyle-Charakter.

Gleichzeitig hält Leica weiterhin an seinem Standort Wetzlar fest, der als Zentrum für Entwicklung, Produktion und Markenidentität gilt.

Eigentümerstruktur bleibt stabil

Leica befindet sich mehrheitlich im Besitz der Familie Kaufmann.
Dr. Andreas Kaufmann hält 55 % der Anteile, während der Finanzinvestor Blackstone rund 45 % besitzt.

Spekulationen über mögliche Veränderungen in der Eigentümerstruktur wurden zuletzt zwar diskutiert, doch Kaufmann betonte, dass die Familie weiterhin langfristig im Unternehmen engagiert sei.

Ein neues Kapitel für Leica

Mit Andreas Voll beginnt für Leica ein neues Kapitel. Die Herausforderung wird darin bestehen, die traditionsreiche Marke weiterhin innovativ zu halten – ohne ihre Wurzeln zu verlieren.

Die Voraussetzungen dafür sind gut:
Leica ist heute nicht nur Kamerahersteller, sondern ein globales Symbol für Qualität, Design und fotografische Kultur.

Für viele Fotograf:innen weltweit steht der rote Punkt weiterhin für eine besondere Form der Fotografie – entschleunigt, präzise und mit Blick für das Wesentliche.

Fazit

Der Wechsel an der Spitze der Leica Camera AG markiert einen wichtigen Moment in der jüngeren Unternehmensgeschichte. Nach einer erfolgreichen Wachstumsphase unter Matthias Harsch übernimmt mit Andreas Voll eine neue Generation die Verantwortung für die Zukunft der Marke.

Für Leica-Fans und Fotograf:innen weltweit bleibt damit spannend zu beobachten, wie sich die traditionsreiche Marke aus Wetzlar in den kommenden Jahren weiterentwickelt.

5/5 - (2 votes)