Sollte ich von der M9 zur M10 wechseln?

Als Leica 2009 die M9 präsentierte, war sie eine Sensation: die erste digitale Messsucherkamera mit Vollformatsensor. Für viele Fotografen bedeutete sie, dass sie ihre geliebten M-Objektive endlich ohne Crop-Faktor nutzen konnten. Bis dahin gab es nur die Leica M8 (APS-H, 1,33x Crop) – gut, aber für viele nicht „die echte M“. Mit der M9 änderte sich das.

Neun Jahre später, im Jahr 2018, stellte Leica die M10-P vor – eine Kamera, die in vielerlei Hinsicht den Gegenpol zur M9 bildet: 24 Megapixel CMOS-Sensor, moderner Dynamikumfang, hohe ISO-Leistung und eine bis ins Detail verfeinerte digitale M-Philosophie.

Die Frage, die sich viele Leica-Fotografen heute stellen, lautet:
„Soll ich von der Leica M9 auf die M10-R umsteigen – oder lohnt es sich, der M9 treu zu bleiben?“

Um das beantworten zu können, muss man beide Kameras genau betrachten – nicht nur technisch, sondern auch im Hinblick auf Bildcharakter, Emotion, Praxis und Sammlerwert.

Leica M9 im Detail – Die erste digitale Vollformat-M

Leica M9 schwarz mit Summicron 50mm

Historische Bedeutung

Die Leica M9 war ein Meilenstein in der Firmengeschichte. Mit ihr bewies Leica, dass das Messsucherkonzept auch im digitalen Zeitalter funktioniert.

  • Erste digitale Vollformat-Messsucherkamera der Welt
  • Eingeführt im September 2009
  • Ausgestattet mit einem 18 Megapixel CCD-Sensor von Kodak
  • Klassisches M-Gehäuse, nahezu identisch zur analogen M7/MP in Größe und Form

Damit wurde die M9 für viele Fotografen zur „echten digitalen M“ – ein Bindeglied zwischen analoger Tradition und digitaler Moderne.

Der CCD-Sensor – Bildcharakter & „CCD Glow“

Herzstück der M9 ist der Kodak-CCD-Sensor (Maße: 36 × 24 mm). Während heutige CMOS-Sensoren für hohe ISO-Werte, Dynamikumfang und Videofunktionen optimiert sind, stand bei CCD-Sensoren vor allem die Farbdarstellung und Mikrokontrast im Vordergrund.

aufgenommen mit Leica M9

Viele Fotografen schwärmen bis heute vom „CCD Glow“, dem Leica Look:

  • Farben wirken kräftig, aber nicht übertrieben
  • Hauttöne wirken sehr natürlich
  • Das Rendering erinnert oft an analoge Diafilme (z. B. Kodachrome)
  • Schwarz-Weiß-Umwandlungen wirken besonders „filmisch“

Die Kehrseite:

  • Der Dynamikumfang ist im Vergleich zu heutigen Sensoren gering
  • Hohe ISO-Werte sind problematisch (praktisch unbrauchbar über ISO 800)
  • Kaum Spielraum bei Unter- oder Überbelichtung

Für viele Puristen ist gerade diese „Fehleranfälligkeit“ ein Vorteil: Die M9 zwingt zu präzisem Belichten – ähnlich wie ein Diafilm.

Technische Daten der Leica M9

MerkmalLeica M9 (2009)
Sensor18 MP Kodak-CCD, Vollformat (36×24 mm)
ISO-Bereich160–2500
Display2,5 Zoll, 230.000 Pixel
Sucher0,68×, Rahmen für 28–135 mm
VerschlussMechanisch, bis 1/4000 s
Serienbildgeschwindigkeit2 Bilder/s
Gewichtca. 585 g
SpeicherSD/SDHC
AkkuLithium-Ionen, ca. 350 Aufnahmen
Neupreis (2009)ca. 5.500 €
Gebrauchtpreis (2025)2.500–5.500 € (je nach Zustand)

Praxis mit der M9

Vorteile

  • Klassisches Leica-Gefühl: klein, schlank, leise
  • Farben & Look: einzigartig, auch 2025 noch beliebt
  • Sammlerwert: erste digitale Vollformat-M, Kultstatus
  • Verarbeitung: Messing-Topplatte, robust

Nachteile

  • ISO-Schwäche: kaum brauchbar über 800
  • Display: sehr niedrig aufgelöst (heute fast unbrauchbar zur Beurteilung)
  • Akkulaufzeit: knapp bemessen
  • Technische Kinderkrankheiten:
    • Korrosion beim Sensor (Kodak-Problem, viele mussten getauscht werden)
    • Ersatzteile heute nur noch eingeschränkt verfügbar

Marktwert & Sammlerstatus

2025 kostet eine Leica M9 je nach Zustand zwischen 2.500 und 5.500 €.
Besonders begehrt sind:

  • M9-P (dezenter, mit Saphirglas-Display)
  • Erste Generation M Monochrom (2012), basierend auf der M9, Preise oft über 5.000 €

Die M9 bleibt eine Kultkamera – nicht trotz, sondern wegen ihrer Eigenheiten. Für viele Fotografen ist sie eine „digitale Analogkamera“.

Leica M10-P im Detail – Die moderne Puristin

Leica M10-P mit Summicron 50mm

Hintergrund & Positionierung

Die Leica M10 erschien 2017 und war die erste digitale M, die wieder so schlank war wie die klassischen analogen Modelle (M3–M6). Ein Jahr später stellte Leica die M10-P vor – eine dezente, verfeinerte Variante, die sich gezielt an Profifotografen und Puristen richtete.

Während die M9 für den Einstieg ins digitale Vollformat steht, verkörpert die M10-P die Reife der digitalen M-Serie: puristisch, technisch solide und gleichzeitig unauffällig.

Technische Daten der Leica M10-P

MerkmalLeica M10-P (2018)
Sensor24 MP CMOS, Vollformat
ISO-Bereich100–50.000
Display3 Zoll, 1,04 Mio. Pixel, Touchscreen, kratzfestes Saphirglas
Sucher0,73×, größerer Augenabstand
VerschlussMechanisch, bis 1/4000 s
BesonderheitLeisester Verschluss aller Leica M-Kameras
Serienbildgeschwindigkeit5 Bilder/s
Gewichtca. 660 g
SpeicherSD/SDHC/SDXC
Akkuca. 600 Aufnahmen
Neupreis (2018)ca. 7.500 €
Gebrauchtpreis (2025)5.000–6.000 € (je nach Zustand)

Besonderheiten der M10-P

Extrem leiser Verschluss

Die M10-P gilt bis heute als die leiseste Leica M aller Zeiten. Das macht sie besonders beliebt für Street- und Reportagefotografie, bei der Diskretion entscheidend ist.

Touchscreen & modernes Display

Im Vergleich zur M9 mit ihrem schwachen 2,5-Zoll-Display ist die M10-P ein Quantensprung:

  • Helles 3-Zoll-Display mit Touchfunktion
  • Saphirglas, kratzfest
  • Schnelle Bildkontrolle im Feld

Dezentes Design

  • Kein roter Punkt auf der Vorderseite → diskreter Auftritt
  • Klassische Gravur „Leica“ auf der Oberseite
  • Minimalistisch wie die analogen Vorbilder

Leistungsfähiger Sensor

  • 24 MP CMOS-Sensor (von CMOSIS, in Zusammenarbeit mit Leica entwickelt)
  • Viel besserer Dynamikumfang als die M9
  • Hohe ISO-Performance bis 50.000 → auch bei Nacht nutzbar
  • RAW-Dateien (DNG) mit großem Bearbeitungsspielraum

Praxis mit der M10-P

Vorteile

  • Unglaublich leise → ideal für Street, Hochzeiten, Reportagen
  • Diskret → kein roter Punkt, unauffälliges Design
  • Sehr gute ISO-Performance → flexibel bei allen Lichtbedingungen
  • Robust & hochwertig verarbeitet
  • Touchscreen erleichtert die Bedienung
aufgenommen mit Leica M10-P

Nachteile

  • 24 MP wirken im Jahr 2025 für manche Fotografen „zu wenig“ (gerade im Vergleich zur M10-R oder M11 mit 40–60 MP)
  • Kein interner Speicher (wie bei der M11)
  • Preis im Gebrauchtmarkt immer noch hoch

Marktwert & Sammlerstatus

2025 liegt die M10-P je nach Zustand bei 5.000–6.000 €.
Besonders begehrt:

  • Schwarze Ausführung („Black Chrome“) → klassisch und elegant
  • Limitierte Editionen (z. B. Safari, Zagato)
  • Modelle mit sehr geringem Auslösezähler

Die M10-P ist für viele Leica-Fotografen die perfekte Balance zwischen Tradition und Moderne: technisch stark, aber ohne Übertreibung.

Vergleich: Leica M9 vs. Leica M10-P

Technische Gegenüberstellung

MerkmalLeica M9 (2009)Leica M10-P (2018)
Sensor18 MP Kodak-CCD, Vollformat24 MP CMOS, Vollformat
ISO-Bereich160–2500100–50.000
DynamikumfangGering (ca. 11 EV)Hoch (ca. 15 EV)
Farbdarstellung„CCD Glow“ – sehr charakteristisch, Leica LookNeutraler, flexibler, natürlicher
Display2,5 Zoll, 230.000 Pixel3 Zoll, 1,04 Mio. Pixel, Touch, Saphirglas
VerschlussMechanisch, 1/4000 sMechanisch, 1/4000 s, extrem leise
Serienbild2 Bilder/s5 Bilder/s
Sucher0,68×0,73×, größerer Augenabstand
SpeicherSD/SDHCSD/SDHC/SDXC
Akku~350 Bilder~600 Bilder
Gewicht585 g660 g
Neupreisca. 5.500 € (2009)ca. 7.500 € (2018)
Gebrauchtpreis (2025)2.500–5.500 €5.000–6.000 €

Bildqualität & Look

  • Leica M9 (CCD)
    • Farben: kräftig, fast filmisch
    • Hauttöne: sehr natürlich
    • Schwarzweiß: hervorragend, erinnert an Diafilm-Umwandlungen
    • Nachteile: kaum Reserve in Lichtern, Gefahr von Ausfressen bei Überbelichtung
  • Leica M10-P (CMOS)
    • Farben: neutraler, flexibler in der Nachbearbeitung
    • Hauttöne: sehr präzise, fein abgestuft
    • Schwarzweiß: sehr detailreich, aber weniger „filmisch“
    • Vorteile: viel größerer Dynamikumfang, auch bei schlechten Lichtverhältnissen zuverlässig

Kurz gesagt:
Die M9 liefert Emotion, die M10-P liefert Perfektion.

Praxis im Einsatz

Street Photography

  • M9: leise, klein, klassisch – aber bei ISO über 800 stark eingeschränkt.
  • M10-P: noch leiser (leisester Verschluss aller M), perfekte Diskretion, top für Street.

Gewinner: M10-P, dank Verschluss & High-ISO.

Porträtfotografie

  • M9: wunderschöne Hauttöne, Farbcharakter sehr schmeichelhaft.
  • M10-P: präzisere Farben, größere Flexibilität, bessere Nachbearbeitung.

Gleichstand – je nach Geschmack.

Landschaft & Architektur

  • M9: 18 MP, aber limitierter Dynamikumfang, harte Kontraste.
  • M10-P: 24 MP, breiter Dynamikumfang, deutlich mehr Reserve in Lichtern/Schatten.

Gewinner: M10-P.

Low-Light & Nacht

  • M9: praktisch nicht nutzbar über ISO 800.
  • M10-P: ISO bis 50.000, saubere Ergebnisse bis ISO 6.400.

Gewinner: M10-P (deutlicher Unterschied).

Emotion vs. Technik

  • Leica M9
    • Kultstatus, „digitale Analogkamera“
    • Besonderer CCD-Look, von vielen bis heute unersetzlich
    • Einschränkungen zwingen zu bewusster Fotografie
  • Leica M10-P
    • Technisch überlegen, leise, diskret
    • Praktisch für moderne Fotografie in jeder Situation
    • Aber: Look wirkt weniger „einzigartig“, mehr neutral

Sammlerwert & Markt

  • M9:
    • Gebrauchtpreise stabil bei 2.500–5.500 €, werden aber steigen
    • Sammler schätzen den CCD-Sensor
    • Risiko: Sensor-Korrosion (bei vielen Modellen aufgetreten), nur kaufen mit getauschtem Sensor ID 15 oder 16
  • M10-P:
    • Gebrauchtpreise 5.000–6.000 €
    • Sehr beliebt bei Fotografen, daher preisstabil, aber nicht mehr lange, werden vermutlich sinken
    • Seltene Editionen (Safari, Zagato) deutlich teurer

Pro & Contra Übersicht

Leica M9Leica M10-P
+ Einzigartiger CCD-Look („Glow“)+ Modernste Technik (Stand 2018)
+ Kultstatus, erste digitale Vollformat-M+ Extrem leiser Verschluss
+ Preislich günstiger (2025)+ Hoher Dynamikumfang, flexible Nachbearbeitung
– Kaum ISO-Reserven, schwaches Display– Deutlich teurer (Gebrauchtmarkt)
– Sensor-Korrosion möglich– Weniger „charaktervoller“ Look
– Langsam, technisch überholt– 24 MP für manche heute „zu wenig“

Fazit: Leica M9 vs. Leica M10-P – lohnt sich der Umstieg?

Die Antwort hängt stark davon ab, wer du bist und wie du fotografierst.

  • Für Puristen und Liebhaber des besonderen Looks
    Die Leica M9 bleibt eine Kultkamera. Ihr CCD-Sensor liefert Farben und Hauttöne, die selbst 2025 einzigartig wirken. Wer diesen Look liebt, wird bei keiner modernen Leica das Gleiche finden. Für Sammler ist die M9 ohnehin gesetzt – gerade als erste digitale Vollformat-M.
  • Für aktive Fotografen, die maximale Flexibilität brauchen
    Die Leica M10-P ist die klare Wahl. Sie ist leiser, schneller, bei weitem lichtstärker im High-ISO-Bereich und bietet einen Dynamikumfang, der die M9 weit hinter sich lässt. Sie ist die praktischere Kamera für Reportagen, Reisen und professionelles Arbeiten.

Kurz gesagt:

  • Wer Emotion & Charakter sucht, bleibt bei der M9.
  • Wer Technik & Alltagstauglichkeit braucht, greift zur M10-P.

Beide Kameras sind heute wertstabil – und beide haben ihre Berechtigung. Die M9 als Kultobjekt, die M10-P als modernste „klassische“ digitale M.

FAQ

Warum ist die Leica M9 so besonders?
Die M9 war 2009 die erste digitale Messsucherkamera mit Vollformat-Sensor. Ihr Kodak-CCD-Sensor liefert einen einzigartigen Bildlook, den viele Fotografen bis heute als „CCD Glow“ bezeichnen.

Hat die Leica M9 technische Schwächen?
Ja. Der Dynamikumfang ist gering, hohe ISO-Werte sind kaum nutzbar und es gab bei vielen Modellen Sensor-Korrosion. Trotzdem ist die M9 wegen ihres Bildlooks Kult.

Was macht die Leica M10-P so leise?
Leica hat den Verschluss der M10-P neu entwickelt – er gilt bis heute als der leiseste Verschluss aller Leica M-Modelle. Perfekt für Street- und Reportagefotografie.

Wie unterscheiden sich die Farben von M9 und M10-P?
Die M9 hat kräftige, fast filmische Farben mit viel Mikrokontrast. Die M10-P bietet neutralere, flexiblere Farben mit mehr Dynamikumfang – besser für die Nachbearbeitung.

Welche Kamera ist die bessere Investition?
Die M9 ist ein Sammlerstück, das preislich stabil bleibt. Die M10-P ist die bessere Wahl für Fotografen, die eine moderne Kamera suchen. Beide Modelle sind wertstabil, die M10-P aber teurer.


Entdecken Sie Leica M9 & M10-P bei Roter Punkt Kamera

Ob CCD-Kult oder moderne Puristik – beide Modelle finden Sie bei uns im geprüften Pre-Owned-Bereich. Alle Kameras werden von Fachwerkstätten überprüft und kommen mit Garantie.

➤ Jetzt Leica M-Modelle entdecken
5/5 - (4 votes)