Als langjähriger Leica-Enthusiast habe ich in den vergangenen Jahren mit vielen M-Objektiven gearbeitet – vom Summilux 50mm bis zum Noctilux. Doch ein Objektiv hatte ich bisher unterschätzt: das Leica Elmar-M 24mm f/3.8 ASPH. Zugegeben, bei einer maximalen Lichtstärke von f/3.8 schlägt mein Herz nicht sofort höher. Doch nach intensiver Nutzung – unterwegs in Berlin, auf Fototouren in verlassenen Industriearealen und bei Landschaftsaufnahmen im Harz – hat mich dieses kompakte Weitwinkel komplett überzeugt. Es ist kein Effektobjektiv, kein Stilmittel. Es ist ein Werkzeug. Und zwar eines, das leistet, was es soll: kompromisslos, leicht und präzise.
Inhaltsverzeichnis:
- 1 Leica Elmar-M 1:3,8/24 mm ASPH. kaufen
- 1.1 Kompakt, diskret, hochwertig – perfekt für die Straße
- 1.2 In der Praxis: Scharf, ehrlich, unaufgeregt
- 1.3 Das Bokeh? Nebensache, aber angenehm
- 1.4 Vignettierung, Verzeichnung, Farbsäume?
- 1.5 Fokus und Alltagstauglichkeit
- 1.6 Vergleich mit anderen Leica-Weitwinkeln
- 1.7 Fazit: Understatement mit exzellenter Leistung
Technische Daten im Überblick:
- Brennweite: 24 mm
- Lichtstärke: f/3.8 – f/16 (9 Blendenlamellen)
- Optischer Aufbau: 8 Linsen in 6 Gruppen (inkl. 1 ASPH)
- Naheinstellgrenze: 0,7 m
- Filtergewinde: E46
- Gewicht: ca. 260 g
- Streulichtblende: aufschraubbar, rechteckig
- Bajonett: Leica M
Leica Elmar-M 1:3,8/24 mm ASPH. kaufen
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Kompakt, diskret, hochwertig – perfekt für die Straße
Was sofort auffällt: Das Elmar-M 24mm ist unfassbar kompakt. In Kombination mit einer Leica M10 oder M11 wirkt es fast zierlich, was der Diskretion auf der Straße nur zuträglich ist. Das Gewicht von rund 260 Gramm macht es zum perfekten Reisebegleiter – fast unsichtbar in der Fototasche und dennoch vollwertig. Die Verarbeitung? Natürlich auf Leica-Niveau. Metallgehäuse, samtig laufender Fokusring, präzise klickende Blendenstufen – ein haptischer Genuss. Die Gegenlichtblende ist verschraubt, funktional, schlicht und solide. Keine Schnörkel, keine Show. Einfach Werkzeug, wie man es sich wünscht.
Die Proportionen des Objektivs stimmen einfach. Es überragt das Gehäuse kaum, passt optisch ideal zur M-Serie und wirkt an klassischen Modellen wie der M6 oder M4-P besonders ausgewogen. Wer mit der Kamera durch enge Straßen geht, zieht keine Blicke auf sich – das Objektiv verschwindet optisch fast.

In der Praxis: Scharf, ehrlich, unaufgeregt
Ich habe das Elmar-M an der M10-R und an der analogen M6 getestet. Bei beiden Kameras liefert es durchweg beeindruckende Ergebnisse. Bereits bei Offenblende ist die Schärfe in der Bildmitte sehr hoch, und auch zu den Rändern hin fällt sie nur minimal ab. Besonders überrascht war ich, wie klar und kontrastreich die Bilder selbst bei Gegenlicht ausfallen – kaum Flares, keine störenden Reflexe. Leica hat hier mit dem asphärischen Element gute Arbeit geleistet.
Das Objektiv verzichtet auf spektakuläre Charakteristika, wie man sie z. B. von einem Summicron 35 pre-ASPH kennt. Stattdessen liefert es eine sachliche, neutrale, fast klinische Abbildungsleistung – und das ist keineswegs negativ gemeint. Für Architektur, Landschaft, Street oder Reportage ist genau das ein Vorteil: keine Verzerrung, kaum Vignettierung, keine Farbverschiebung. Das Elmar-M 24mm ist ein verlässlicher Partner, der immer funktioniert.
Auch bei Landschaftsaufnahmen mit Fokus auf Detailwiedergabe in den Ecken schlägt sich das 24er hervorragend. Wer viel mit f/5.6 oder f/8 fotografiert, bekommt ein durchgängig scharfes Bild mit einem fast „modernen“ Look, allerdings mit einer gewissen Zurückhaltung im Mikrokontrast, die dem Objektiv einen eleganten Charakter verleiht.

Das Bokeh? Nebensache, aber angenehm
Ein 24mm-Objektiv mit Blende f/3.8 ist kein Bokeh-Monster, logisch. Dennoch lässt sich bei Nahaufnahmen ein leichter Schärfeverlauf erzeugen, der nicht hart wirkt, sondern weich und ruhig. Die Übergänge wirken organisch – wie man es von Leica kennt. Wer träumerisches Bokeh sucht, greift ohnehin zum Summilux. Doch für dokumentarische Zwecke – Porträts in Umgebung, szenische Straßenszenen, Interiors – ist das Bokeh ausreichend harmonisch, ohne abzulenken.
Vignettierung, Verzeichnung, Farbsäume?
Vignettierung ist bei f/3.8 sichtbar, aber keineswegs störend – eher ästhetisch. Ich habe sie bei keiner Aufnahme als Mangel empfunden. Die Verzeichnung ist extrem gering und praktisch nicht sichtbar – ideal für Architektur. Chromatische Aberrationen? Ich habe sie weder bei digitaler Vergrößerung noch in Prints bemerkt. Selbst bei starken Kontrasten am Bildrand bleibt das Objektiv sauber. Es wirkt, als wäre die optische Konstruktion auf Genauigkeit hin entworfen, nicht auf Effekthascherei.

Die Naheinstellgrenze liegt bei 0,7 Metern – das ist Leica-typisch und in Ordnung, auch wenn man sich manchmal ein bisschen näher heranwünschen würde. Der Fokusweg ist angenehm lang und präzise – auch mit Handschuhen im Winter gut bedienbar. In Kombination mit dem Messsucher der M10-R ist die Schärfeebene extrem gut kontrollierbar. Besonders hilfreich ist hier die hohe Grundschärfe des Objektivs – es verzeiht kleine Fokusfehler deutlich besser als ein 1.4er Summilux.
Wer mit Filter arbeitet, freut sich über das 46mm-Gewinde – ein Leica-Standard, der den Austausch von Filtern zwischen mehreren Objektiven erleichtert. Ich selbst verwende häufig einen Polfilter oder einen leichten ND8 – insbesondere bei Aufnahmen mit Himmel oder Wasser ist die Kombination aus 24mm Bildwinkel und Filtereinsatz hervorragend.
Vergleich mit anderen Leica-Weitwinkeln
Im Vergleich zum Summilux 24mm f/1.4 ASPH ist das Elmar natürlich kein Low-Light-Spezialist. Dafür ist es wesentlich leichter, kompakter und unauffälliger. Gegenüber dem Elmarit-M 28mm f/2.8 ASPH bietet das 24er mehr Weitwinkel, ohne nennenswerte Kompromisse in der Bildqualität. Wer mehr Weite sucht, aber keinen Ultraweitwinkel will, liegt hier goldrichtig.
Besonders spannend ist der Vergleich zum 21mm Super-Elmar. Während das 21er fast schon eine dramatische Bildwirkung erzeugt, bleibt das 24mm angenehm zurückhaltend – ein Idealmaß zwischen Raumwirkung und Perspektive. Für viele Szenarien (z. B. Innenräume, urbane Reportage, Architektur) ist das 24er schlicht universeller.
Fazit: Understatement mit exzellenter Leistung
Das LEICA Elmar-M 24mm f/3.8 ASPH ist ein Objektiv für Fotograf:innen, die Wert auf Präzision, Kompaktheit und optische Ehrlichkeit legen. Es ist kein Blender, kein Showpiece – aber ein Werkzeug, das man täglich nutzen kann und will. Es ist leise, schnell, effizient – und liefert genau das, was man erwartet, wenn man „Leica“ sagt: Bilder mit Seele.
Wer es unterschätzt, verpasst vielleicht eines der besten Alltagsweitwinkel im M-System.
Meine Bewertung:
⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5/5 für Reisesetups, Reportage, Street und Architektur)
🔻 Nur bedingt geeignet für: Low-Light-Bokeh-Fans oder extreme Nahaufnahmen