Inhaltsverzeichnis:
- 1 Möglicher Mehrheitsverkauf: Warum die Nachricht im Leica-Kosmos nachhallt
- 2 Leica ist stark – genau deshalb wird jetzt verhandelt
- 3 Mehrheit verkaufen – heißt das, Leica verliert seine Seele?
- 4 Was könnte sich für Leica ändern? Zwei realistische Szenarien
- 5 Xiaomi-Partnerschaft: Türöffner für eine neue Generation
- 6 Was bedeutet das für Leica Pre-Owned und Sammler?
- 7 Roter Punkt Kamera: Mein persönlicher Blick auf die Situation
- 8 Häufige Fragen zum möglichen Leica-Verkauf
- 9 Hierzu noch einige Zitate von Dr. Kaufmann
Möglicher Mehrheitsverkauf: Warum die Nachricht im Leica-Kosmos nachhallt
Die Meldung kam unscheinbar – und doch traf sie viele Leica-Enthusiasten mitten ins Herz:
Die Eigentümer von Leica Camera, die Kaufmann-Familie gemeinsam mit Blackstone, prüfen offenbar den Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung. Die Gespräche befinden sich im frühen Stadium, die Bewertung könnte bei rund einer Milliarde Euro liegen. Als potenzielle Interessenten werden HSG und Altor Equity Partners genannt.
Doch wer Leica kennt, weiß: Das ist keine reine Finanznachricht. Leica ist keine x-beliebige Marke. Leica ist Erinnerung, Handwerk, Präzision – und für viele Fotografen eine lebenslange Begleiterin.
In meinem „Leica Wohnzimmer“ in Berlin spüre ich diese Haltung jeden Tag: Menschen kommen nicht nur, um Kameras zu kaufen – sie kommen, um Geschichten zu erzählen, alte und neuwertige Modelle in die Hand zu nehmen, zu fachsimpeln, zu staunen.
Und genau deshalb bewegt uns diese Nachricht.
Leica ist stark – genau deshalb wird jetzt verhandelt
Leica befindet sich wirtschaftlich in einer sehr guten Phase:
- 596 Millionen Euro Umsatz bis März 2025 – das vierte Rekordjahr in Folge
- Neue Stores weltweit
- Klarere Positionierung als Premium-Marke
- Wachsende Nachfrage nach analogen und digitalen Leica-Systemen
Aus Sicht eines Finanzinvestors wie Blackstone ist das der perfekte Moment, Optionen zu prüfen. Das ist klassische Private-Equity-Logik: Wert steigern, dann ganz oder teilweise aussteigen.
Doch für uns als Leica-Community fühlt sich das anders an.
Mehrheit verkaufen – heißt das, Leica verliert seine Seele?
Nicht zwingend.
Berichten zufolge könnte die Kaufmann-Familie auch nach einem Verkauf beteiligt bleiben. Das wäre ein wichtiges Signal für Kontinuität:
- Einfluss auf Strategie
- Mitspracherecht in zentralen Entscheidungen
- Schutz der Marken-DNA
Gerade bei ikonischen Marken ist es üblich, dass neue Investoren die ursprünglichen Eigentümer einbinden – nicht aus Nostalgie, sondern aus wirtschaftlicher Vernunft. Eine Marke wie Leica verliert massiv an Wert, wenn sie ihr Wesen verliert.
Was könnte sich für Leica ändern? Zwei realistische Szenarien
Szenario 1 – Leica wächst, bleibt aber Leica
In diesem Szenario nutzt ein neuer Mehrheitseigentümer die Stärke der Marke behutsam:
- Mehr eigene Leica Stores
- Stärkere Kunden-Erlebnis-Formate
- Ausbau von Service, Events und Community
- Noch klarere Positionierung als Luxus-Hersteller
Für Roter Punkt Kamera und die Pre-Owned-Welt wäre das sogar positiv:
Eine stärkere, sichtbarere Marke stabilisiert Werte, steigert Begehrlichkeit und bringt mehr Menschen zur Fotografie.
Ich erlebe das heute schon: Viele Kunden entdecken Leica über Smartphones mit Leica-Branding – und landen später bei uns, um „die echte Leica“ in die Hand zu nehmen.
Szenario 2 – Wachstum um jeden Preis (das Risiko)
Das Gegenmodell wäre eine zu aggressive Kommerzialisierung:
- Mehr Stückzahlen, weniger kompromisslose Qualität
- Kostenoptimierung auf Kosten des Handwerks
- Stärkere Lifestyle-Ausrichtung statt Fotografie-Kultur
Das wäre der Punkt, an dem Vertrauen leiden könnte. Doch bislang gibt es keine klaren Anzeichen dafür, dass Leica diesen Weg gehen will.
Xiaomi-Partnerschaft: Türöffner für eine neue Generation
Ein oft unterschätzter Punkt in dieser Debatte ist die Kooperation mit Xiaomi.
Leica bringt seinen Bildlook und seine Expertise in Smartphones – und erreicht damit Millionen junger Menschen. Viele von ihnen kommen später in mein „Leica Wohnzimmer“ und sagen Dinge wie:
„Ich hatte zuerst eine Xiaomi mit Leica-Look – und jetzt will ich die echte Leica.“
Für Investoren ist das extrem attraktiv:
Leica bleibt im Kern ein Kamerahersteller, gewinnt aber Reichweite und Relevanz im digitalen Alltag.
Was bedeutet das für Leica Pre-Owned und Sammler?
Kurzfristig: Wahrscheinlich nichts
Selbst wenn es zu einem Deal kommt, dauern solche Prozesse Monate oder Jahre.
Produkte, Service, Ersatzteile und Reparaturen laufen weiter wie bisher.
Wer heute eine Leica M, Q oder SL kauft, muss sich keine Sorgen machen.
Mittelfristig: Zwei mögliche Effekte
1) Stärkere Marke = stabilere Werte
Wenn Leica als Luxusmarke weiter ausgebaut wird, profitieren auch gebrauchte Kameras – gerade Klassiker wie M6, M3 oder M9.
2) Mehr Fokus auf Erlebnis = mehr Community
Mehr Events, mehr Austausch, mehr Vernetzung – genau das, was wir mit dem Leica Stammtisch Berlin ohnehin leben.
Roter Punkt Kamera: Mein persönlicher Blick auf die Situation
Seit 2023 führe ich einen der größten privaten Leica Pre-Owned Store Deutschlands.
Ich habe hunderte Kameras in der Hand gehabt, restauriert, verkauft, erklärt – und ich habe unzählige Gespräche geführt.
Meine Haltung ist klar:
Nicht wem Leica gehört, ist entscheidend – sondern wie Leica gedacht und gelebt wird.
Solange Leica weiterhin für Präzision, Reduktion und Fotografie-Kultur steht, werde ich diese Werte in meinem „Leica Wohnzimmer“ weitertragen.
Und genau deshalb wird der Leica Stammtisch Berlin auch in Zukunft stattfinden – als Ort des Austauschs, der Leidenschaft und der Gemeinschaft.
Häufige Fragen zum möglichen Leica-Verkauf
Frage 1: Ist Leica bereits verkauft?
Nein. Es werden lediglich Optionen geprüft. Es gibt noch keine verbindliche Entscheidung.
Frage 2: Wird Leica dadurch schlechter?
Dafür gibt es aktuell keine Hinweise. Entscheidend ist, ob die Kaufmann-Familie weiterhin Einfluss behält.
Frage 3: Was bedeutet das für gebrauchte Leica-Kameras?
Kurzfristig nichts. Mittelfristig könnte eine stärkere Marke sogar wertstabilisierend wirken.
Frage 4: Sollte man jetzt noch Leica kaufen?
Ja. Produkte und Service bleiben unverändert, und gute Leica-Kameras verlieren ihren Wert nicht über Nacht.
Frage 5: Bleibt die Kaufmann-Familie beteiligt?
Wahrscheinlich ja – zumindest als Minderheitsgesellschafter oder im Aufsichtsrat.
Hierzu noch einige Zitate von Dr. Kaufmann
Verantwortung & Rettung von Leica
„Als wir vor 20 Jahren bei der Leica Camera AG einstiegen – Hauptaktionär war damals Hermès –, war unser Ziel, das Unternehmen in Zusammenarbeit mit den engagierten Mitarbeitern wieder auf Kurs zu bringen und langfristigen Erfolg zu sichern.“
— Dr. Andreas Kaufmann, Aufsichtsratsvorsitzender Leica Camera AG
(Quelle: profifoto.de)
Haltung in Krisenzeiten
„I’ve never been scared in my life. Being scared doesn’t help. I don’t think I was stressed when Leica was struggling at the turn of the millennium. I was under pressure, but when I’m under pressure I take half a day off and think about strategy. This usually works.“
— Dr. Andreas Kaufmann
(Quelle: Interview, zitiert u. a. auf Patreon / Leica-Kontext)
Tradition trifft Innovation
„Leica’s story is deeply rooted in history and in know-how. The spirit of precision, reliability, and innovation of the Leica I remains alive today.“
— Dr. Andreas Kaufmann
(Quelle: Monochrome Watches Interview)
Zusammenarbeit mit Blackstone & Zukunft
„Unsere Zusammenarbeit war bisher äußerst erfolgreich, und wir sind zuversichtlich, dass wir gemeinsam weiterhin erfolgreich sein können. In Bezug auf die Zukunft werden wir die bestmögliche Entscheidung im Interesse des Unternehmens und aller Beteiligten treffen.“
— Dr. Andreas Kaufmann
(Quelle: profifoto.de)